La construction relative en franconien et en français et les deux fonctions de la relativation
Inhalte
Meine Magisterarbeit beschreibt den Relativsatze im Fränkischen mithilfe eines Modells, das für das Französische entwickelt wurde. Auf den Untersuchungsergebnissen aufbauend entwickele ich eine neue Konzeption der Relativkonstruktion in der Universalgrammatik. Die Magisterarbeit wurde in Französisch verfasst und ist in der Universitätsbibliothek Bordeaux zugänglich. Eine Zusammenfassung habe ich in der Würzburger Lokalzeitung Main-Post veröffentlicht (Ausgabe vom 10. Mai 1994, Seite 38)
Fränkisch
Mein Mutterdialekt Fränkisch heisst exakter "Ostfränkisch" und ist der Name des deutschen Dialektes, der in Franken (= Nordbayern, zähneknirsch) gesprochen wird. Fränkisch gehört zu den mitteldeutschen Dialekten, und ist somit vom phonetischen System und vom Wortschatz her näher dem Kölsch oder dem Thühringischen als z.b. dem Bairischen.
Die Wahrheit über den französischen Relativsatz!
In der Schule lernen wir, dass que in
Le mec que tu as vu hier était mon copain. (Der Typ, den du gestern gesehen hast, war mein Freund.)
ein Relativpronomen ist mit der deutschen Entsprechung den. Bei der Erklärung des Unterschieds zwischen der Konjunktion que und dem Relativwort que verweisen die Lehrer auf die Funktion: Konjunktionssätze hängen vom Hauptsatzverb ab, Relativsätze von einem Nomen.
Der französische Linguist Claude Muller hat nun auf eine Idee von Richard Kayne aufgebaut, dass eben beide que's ein und dieselbe Konjunktion sind. Muller sagt:
Alle untergeordneten Sätze, egal ob Relativsatz, Adverbialsatz oder Subjekt/Objektsatz, haben eine versteckte Konjunktion, deren Funktion die UNTERORDNUNG des Satzes ist, que.
Beweis: In der Standardsprache wird diese Konjunktion durch bestimmte Mechanismen in der Oberflächenstruktur ausgelöscht; aber im Umgangsfranzösisch tauchen Sätze auf wie
La personne à qui que tu as parlé est ma copine. (Der Mensch, mit dem du gesprochen hast, ist meine Freundin.)
Wenn que Relativpronomen wäre, was ist dann à qui?
Der fränkische Relativsatz
In allen mittel- und süddeutschen Dialekten gibt es die berüchtigten "wo"-Relativsätze, aber nirgendwo werden sie so systematisch gebraucht wie in Fränkisch:
Ich möcht alle meine Freunde grüssen, wo mich kennen.
Manchmal kommt vor dem wo auch noch ein "normales" Relativpronomen:
Die Rechnung geht an die, die wo nach uns kommen.
In einer umfangreichen Studie hab ich festgestellt, dass jeder fränkische Relativsatz "wo" enthält, während vorher ein "normales" hochdeutsches Relativwort (der,die,das) (=DetRel) kommen kann oder nicht:
Fränkische Relativkonstruktion: (DetRel +) WO
(Die Fälle ohne wo sind zahlreich, aber man muss hierbei vom Einfluss des Superstrates Hochdeutsch ausgehen.)
Wann kommt DetRel und wann nicht?In meiner Arbeit stelle ich drei interagierende Faktoren fest:
Formelle Übereinstimmung mit Artikel des Antezedensnomen (lässt DetRel verschwinden)
Die Frau, wo ich gesehen hab, ist deine Freundin?
vsDas Problem, um des wo 's geht, ist wichtig.
Komplexität der Struktur (lässt DetRel verschwinden)
Die Frau, wo ich vom Onkel den Bruder kenn,...
Wichtigkeit der Komplexität zum Verständnis des Gesagten (DetRel bleibt)
Der Bub, dem wo sie 5 Mark schuldet,...
aber nicht * Der Bub, wo sie 5 Mark schuldet,...
Das Zusammenwirken aller Faktoren lässt sich exakt in einem Algorithmus beschreiben, der An- oder Abwesenheit von DetRel fast 100% vorhersagt.
"wo" beschreibt den Satzraum
Wo erfüllt augenscheinlich eine ähnliche Funktion wie que in Französisch; warum aber nehmen die Franken dann nicht "dass", die deutsche Konjunktion?
Diese Frage wirft viele Antworten auf (in Bairisch gibt es z.B. tatsächlich indirekte Fragesätze wie Ich möcht gern wissen, warum dassts ihr des gesagt habts.). Durch Distributionstests stelle ich fest, dass "wo" tatsächlich die CP-Spec-Position im Satz einnimmt (die sonst nur von der Konjunktion besetzt werden kann). In vielen anderen Sprachen ist das Relativwort tatsächlich "wo", z.B. in Litauisch.
"Wo" lässt uns erschaudernd ahnen, wie sehr wir in räumlichen Kategorien denken. Der Satz scheint tatsächlich wie ein Lego-Gebäude aufgebaut, in einzelne Lücken werden andere Bausteine eingefügt. Die Bedeutung des Raums für unser Denken wurde von Kant bewusst gemacht und hat heute in der "Raumlinguistik" auch für die Sprachwissenschaft zentrale Bedeutung.
Umgekehrt: Die "der,die,das"-Relativpronomen und die "der,die,das"-Artikel sowie die Demonstrativpronomen "der,die,das" sind bis auf zwei Formen ("deren" und "dessen" nur Relativpronomen) identisch. Ausserdem löschen sie sich in Fränkisch gegenseitig aus. Da muss man fragen, ob man nicht auch ein einziges Paradigma für die "der,die,das"-Wörter kreeiert. Ich hab's getan und DetRel genannt.
Relativisation: eine Schimäre?
In den nicht indo-europäischen Sprachen gibt es gar keine eigentlichen Relativwörter, Relativsätze werden wie in Chinesisch oder Japanisch wie Adjektive einfach vor oder nach das betreffende Nomen ohne weitere Verbindung gestellt. Wenn man auch noch Fränkisch und das Umgangs-Französisch ansieht, liegt nahe, dass die Linguistik in die Universal-Grammatik ein einzelsprachlich markiertes Phänomen sich hat einschleichen lassen, die Relativpronomen aus dem Lateinischen.
In der Universal-Grammatik dagegen sollten wir Relativsätze zuerst als untergeordnete (Neben)Sätze beschreiben. Die Unterordnung (=Integration) wird einheitlich durch CP-Spec-Besetzer vollbracht, egal, ob Adverbial, Subjekt/Objekt oder Relativsatz. Einzelne Sprachen erlauben (als markiertes Phänomen) Nebensätzen, die Nomen beschreiben, die Rolle des Nomens innerhalb des Relativsatzes genauer zu bestimmen (=Spezifikation).
Diese Relativierung der Bedeutung der Relativisation ist wichtiger, als man denkt. Fast jede zweite Arbeit in Linguistik und Computerlinguistik, hat man den Eindruck, hat mit Relativsätzen zu tun. Wenn es nun Relativsätze als eigenständiges Etwas in der Universal-Grammatik gar nicht gibt, muss man an die Suche nach dem Äther in der Physik Ende des 19. Jahrhunderts denken: Von allen als Berechnungsgrundlage vorausgesetzt, bewiesen Michelson und Morley, dass es keinen "Träger" der Lichtwellen gibt und entzogen Tausenden von Untersuchungen den wissenschaftlichen Boden.